Dietrich Kuhlgatz Bosch 2016

Warum sich der Bosch History Blog mehrfach lohnt

Blog Tatstatur

Den Bosch History Blog habe ich bereits als Best-Practice-Beispiel für Bloggen mit Geschichte in Unternehmen vorgestellt. Dietrich Kuhlgatz hat den Blog für die Robert Bosch GmbH vor über einem Jahr aufgebaut und verantwortet ihn inhaltlich. Mit ihm habe ich mich nun über den Wert dieses Mediums für das Unternehmen unterhalten.

 

 

Herr Kuhlgatz, seit Februar 2016 ist der Bosch History Blog online. Was macht ihn aus Ihrer Sicht so besonders?

Das Spezielle am Bosch History Blog ist, dass die Leser dort – anders als auf „normalen“ Webseiten – regelmäßig neue historische Inhalte finden. Damit wollen wir sie neugierig machen und immer wieder an den Blog heranziehen.

 

Wen wollen Sie mit dem Bosch History Blog erreichen?

Das geht in zwei Richtungen: Einerseits hat Bosch rund 400.000 Mitarbeiter. Da geht es natürlich darum, den Menschen in diesem Unternehmen etwas anzubieten. Wir sehen, dass gerade jüngere Mitarbeiter unter 35, die etwas bei Bosch bewegen wollen, ganz stark auf solche Themen ansprechen. Das ist aber nur die eine Seite: Den Blog sollen natürlich auch Menschen, die sich für Technik- oder Wirtschaftsgeschichte interessieren, gerne lesen – auch wenn sie nicht unbedingt mit Bosch direkt etwas zu tun haben.

Der Bosch History Blog schafft Identifikation nach innen und Reputation nach außen, sagt Dietrich Kuhlgatz.

Wie erreichen Sie denn Ihre Zielgruppen?

Auf unserem Blog haben wir ein so genanntes RSS Feed, das Änderungen auf der Website zeigt. Abonnenten dieses Feeds erhalten eine automatische Benachrichtigung, sobald ein neuer Blogeintrag online ist.

Der Blog steht aber nicht nur für sich alleine im Internet. Die Verteilung der Inhalte erfolgt auch an Kollegen aus der Unternehmenskommunikation. Und sie funktioniert über eine Reihe an Kanälen, die es bei Bosch in verschiedenen Abteilungen sowie Tochter- und Regionalgesellschaften gibt. Allein bei Facebook hat Bosch etwa 350 Seiten weltweit. Dadurch erreichen wir sehr viele externe Leser, die wir sonst nicht ansprechen könnten.

Ich persönlich habe einen Twitter- und einen LinkedIn-Kanal, über den ich jeweils die Inhalte poste. In meinem Netzwerk sind auch Multiplikatoren wie Journalisten oder Blogger, die ich damit anspreche. Aber da gibt es sicher noch Luft nach oben.

 

Viele Unternehmen fragen sich, wie oft sie Blog-Artikel schreiben sollen. Wie regelmäßig stellen Sie Beiträge online?

Unsere Regel ist es, ein Mal pro Woche einen Beitrag einzustellen. Wir haben am Anfang mit dem Anspruch begonnen, zwei Mal im Monat einen Blog-Beitrag zu schreiben. Da sind wir jedoch davon ausgegangen, dass wir die Beiträge komplett neu erschaffen müssen. Mittlerweile ist es aber so, dass wir auf Inhalte, die uns ohnehin vorliegen, zurückgreifen und auch Beiträge einfach ausbauen. Und das Schreiben der Beiträge ruht auf mehreren Schultern innerhalb der Abteilung.

 

Welche Beiträge haben Ihrer Erfahrung nach die größte Resonanz?

Die beste Erfahrung haben wir mit Beiträgen, die etwas ausführlicher sind. Dann können die Verantwortlichen der globalen Facebook-Seite mit ca. 200.000 Followern den Artikel mit einem Bild anteasern und auf den Blog verweisen. Ist der Beitrag zu kurz, dann sind die Leser enttäuscht, wenn beim verwiesenen Link nicht noch mehr Informationen stehen als im Facebook-Post selbst.

Inhaltlich am meisten Resonanz bringen die Beiträge zu Firmengründer Robert Bosch als visionärer, vielleicht auch ungewöhnlicher, manchmal kauziger und starrköpfiger, aber sehr zielstrebiger Unternehmer. Es funktionieren auch Jubiläen sehr gut, etwa von einzelnen Ländermärkten wie die USA. Und auch Produkte, die Meilensteine in der Bosch-Geschichte geschrieben haben, kommen gut an. Wichtig sind dabei interessante Bildmotive als Teaser in verschiedenen Social-Media-Kanälen.

 

Foto: Shutterstock/rvlsoft 112614917

Sie haben jetzt etwas mehr als ein Jahr Erfahrung mit dem Blog. Was würden Sie jetzt anders machen, wenn Sie nochmals mit dem Blog starten würden?

Ich würde die Inhalte, die mir zur Verfügung stehen, noch intensiver in den mir zur Verfügung stehenden Kanälen platzieren. Man denkt immer, man nervt die Leute maßlos. Das ist aber nicht so, sondern sie vergessen das einfach in ihrem eigenen Tagesgeschäft. Am Anfang ist man da einfach zu bescheiden.

Inwiefern hat Ihnen der Blog geholfen, die Wahrnehmung ihrer Abteilung intern zu stärken?

Der Blog war sehr hilfreich! Es ist oft so, dass sich die Unternehmensgeschichte – je nach Unternehmen – nur schwer in die Unternehmenskommunikation integrieren kann. Für uns war das ein wesentlicher Schritt, dass unsere Themen in die Unternehmenskommunikation miteinbezogen wurden. Da müssen Sie natürlich in der Kommunikationsabteilung auch jemanden haben, der sagt: Das unterstütze ich! Und idealerweise sollte diese Person auch ihre Kollegen dazu anhalten, auf diese Themen zu schauen.

Kommen wir zum Abschluss, Herr Kuhlgatz: Warum lohnt es sich Ihrer Meinung nach mit Unternehmensgeschichte zu bloggen?

Es ist klar, dass wir durch die Verteilung der Inhalte mehr Blog-Besucher, die außerhalb von Bosch zu finden sind, bekommen. Also auch diejenigen, die sich nur potenziell für Bosch interessieren.

Der Bosch History Blog ist ein Medium, um die Reputation des Unternehmens zu festigen, indem wir einfach auch den Umgang mit bestimmten Themen zeigen und die Leute neugierig machen. Schließlich geht es ja auch um den „Kampf um junge Talente“. Mit so einem Blog kann man auf sich aufmerksam machen. Man kann zeigen, woher das Unternehmen kommt und wohin es geht. Deshalb verlinke ich manchmal am Ende des Blogs auf aktuelle Seiten des allgemeinen Webauftritts von Bosch. Das gehört meiner Meinung nach auch dazu.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Kuhlgatz!

Dietrich Kuhlgatz

Seit 1998 arbeitet er in der Abteilung Historische Kommunikation der Robert Bosch GmbH in Stuttgart. Als stellvertretender Abteilungsleiter, Fachreferent und Pressesprecher ist er zuständig für alle Anfragen zur Produkt- und Innovationsgeschichte und erstellt Online- und Print-Medien zur Bosch-Geschichte. Er studierte Geschichte und Philosophie an den Universitäten Konstanz und Hamburg.

Hier geht es zum Bosch History Blog

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Friederike Hehle

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