Mythos Alter: Wie auch junge Unternehmen Geschichte erzählen

Mythos Alter

Eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme, ist: „Wie alt muss denn ein Unternehmen mindestens sein, damit Ihre Arbeit Sinn macht?“ Oder jemand sagt zu mir im Brustton der Überzeugung: „Unser Unternehmen ist viel zu jung, da gibt es doch keine Geschichte zu erzählen!“ Viele glauben, ein Unternehmen müsse mindestens 25 Jahre, 50 oder überhaupt noch älter sein, damit es von seiner Geschichte erzählen kann. Meine Erfahrung zeigt, dass das ein weit verbreiteter Irrglaube ist! Ich verrate Ihnen, wie authentisch auch junge Unternehmen Geschichte erzählen.

Warum ältere Unternehmen ihre Geschichte stärker nützen

 

Tatsächlich ist es so, dass vor allem ältere Unternehmen und Institutionen erkennen, wie wertvoll die eigene Geschichte ist. Das zeigt sich auch bei meinem Portfolio: Die meisten, die sich von mir bisher beraten ließen, waren 45 Jahre und älter. Warum ist das so?

Nostalgie

Gerade historische Dokumente, etwa vergilbte Zeugnisse, und Fotos, vor allem in schwarz-weiß, lösen bei den Betrachtern nostalgische Gefühle aus. Insbesondere ältere (ehemalige) Mitarbeiter schwelgen dann gerne in eigenen Erinnerungen an das Unternehmen: „Weißt du noch,…?“ oder „Das waren noch Zeiten!“ ist dann zu hören. Idealerweise teilen sie die Geschichten dahinter mit dem Unternehmen. So erwachen die Dokumente und Fotos zu neuem Leben und sie machen die Geschichte des Unternehmens sichtbar.

Informationsfülle

Je älter ein Unternehmen ist, desto mehr Material zu seiner Geschichte ist vorhanden und umso mehr Geschichte(n) kann es erzählen. Das ist unbestritten! Aber oft wird die Zahl der Jahre am Markt, also die Quantität, mit der Eignung zum Erzählen der Geschichte gleichgesetzt. Im Sinne von: Je mehr Informationen aus der Geschichte bekannt sind, desto eher ist sie für die Kommunikation geeignet.

Ich sehe das anders! Auch junge Unternehmen haben tolle Geschichten zu erzählen.

Unternehmensgeschichte erzählen kann ich auch bei ganz jungen Unternehmen!
- Friederike Hehle

Einige junge Unternehmen und Institutionen haben erkannt, dass es sich lohnt, ihre Geschichte zu erzählen. Und unter „jung“ verstehe ich, dass diese Unternehmen erst einige wenige Jahre am Markt sind. Wenn Sie mein Portfolio aufmerksam durchsehen, dann werden Sie feststellen, dass es auch bei mir einen jüngeren Ausreißer gibt: Vpack. Zum elfjährigen Jubiläum im Jahr 2015 beauftragte mich die Interessensvertretung, ihre Geschichte in einer rund 60-seitigen Broschüre zu fassen. Sie war schließlich auch Grundlage für eine Ausstellung im Vorarlberger Landhaus. Daran zeigt sich, dass für das scheinbar junge Jubiläum genügend Material da war. Denn das ist oft die Angst von jungen Unternehmen und Institutionen: dass es zu wenig zu sehen und erzählen gebe!

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Auch junge Unternehmen haben Grund genug, ihre Geschichte und Erlebnisse zu feiern…und zu erzählen! (Foto: Shutterstock / Kamil Macniak 507250789)

Wie junge Unternehmen Geschichte erzählen

 

Dass junge Unternehmen – trotz sehr kurzer Zeit am Markt – durchaus spannende Geschichten zu erzählen haben, davon bin ich überzeugt. Denn es gibt den Unternehmen ein Gesicht und das Erzählte wirkt sehr authentisch. Wie das in der Praxis aussehen kann, das zeige ich Ihnen mit folgenden Beispielen:

1) Gründer erzählen: Mirco Wolf Wiegert, fritz kola

 

Jedes Unternehmen – und wenn es noch so jung ist – hat eine Gründungsgeschichte. Das wissen auch die Gründer von fritz kola, der 2003 in Hamburg gegründeten Getränkemarke. Mirco Wiegert erzählt, warum er und sein Partner sich selbständig machen wollten und wie stolz ihn die erste produzierte Flasche fritz kola machte.

2) Mitarbeiter erzählen: mymuesli | 7 Jahre – was wir erlebt haben

 

Beim Rückblick auf die ersten sieben Jahre lässt der deutsche Müsli-Anbieter mymuesli seine Mitarbeiter zu Wort kommen: Schmunzelnd erzählen sie von ihren Erlebnissen im und mit dem Unternehmen. Etwa, dass es beim Vorstellungsgespräch vor allem um den gemeinsamen Musikgeschmack ging oder am ersten Arbeitstag noch überhaupt kein Arbeitsgerät da war.

3) Kunden erzählen: Celebrating 10 Years of Airbnb

 

Zum zehnjährigen Jubiläum erzählt die US-amerikanische Buchungsplattform von einzigartigen Unterkünften, den am meisten gebuchten Angeboten sowie besonderen Geschichten der Gastgeber und Gäste.

Sehen Sie sich unbedingt die Zugriffszahlen der einzelnen Beispiele an. Sie zeigen Ihnen, wie erfolgreich solche Kampagnen für die Unternehmen sein können.

Fazit

 

Ich bin davon überzeugt, dass auch junge Unternehmen Geschichte erzählen können. Und ich bin noch mehr davon überzeugt, dass sie das aktiv machen sollen. Zwar ist ihre Geschichte vielleicht nicht so umfangreich wie bei älteren Unternehmen, aber nicht minder spannend und interessant für die Kunden. Die Beispiele haben gezeigt, dass dabei das tatsächliche Alter unerheblich ist. Vielmehr geht es darum, die eigene Geschichte sichtbar zu machen. Denn sie hilft, dass Kunden und Partner das Unternehmen als besonders authentisch wahrnehmen.

Kennen Sie junge Unternehmen mit spannenden Geschichten? Teilen Sie Ihr Wissen mit uns und posten Sie es im Kommentarfeld oder schreiben Sie mir ein Mail!

Wollen Sie wissen, welche Geschichten Ihr Unternehmen erzählen kann? Wir beraten Sie gerne!

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Friederike Hehle

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