Ihr Unternehmen ist zu jung für gute Geschichten? So ein Blödsinn!

Erst neulich erlebte ich es wieder: Ich war auf einer Netzwerk-Veranstaltung für Unternehmerinnen. Am Stehtisch in kleiner Runde erzählte ich, was ich beruflich mache. Eine Dame links von mir, Geschäftsführerin eines rund 30 Jahre alten mittelständischen Unternehmens, fragte mich interessiert: „Wie alt muss denn ein Unternehmen mindestens sein, damit Ihre Arbeit Sinn macht?“ Oder anders gesagt: Sie nahm an, dass junge Unternehmen keine (guten) Firmengeschichten zu erzählen haben. Absoluter Blödsinn, wenn Sie mich fragen – ich verrate Ihnen warum.

Tatsache ist, dass vor allem alteingesessene Unternehmen und Institutionen gerne aus ihrer Geschichte erzählen. Das zeigt auch ein Blick auf mein Portfolio : Die meisten meiner bisherigen Kunden sind bereits mehrere Jahrzehnte am Markt. Nur Ausnahmen haben eine deutlich kürzere Geschichte, so wie Vpack. Woran liegt das? Oder anders gefragt: Was sollten sich jüngere Unternehmen von älteren abschauen?

Das sollten Sie sich von alteingesessenen Unternehmen abschauen

 

Stolz

Gerade alteingesessene Unternehmen sind sehr stolz auf die eigene Geschichte und zeigen das auch: Sie listen etwa die wichtigsten Meilensteine ihrer Geschichte auf ihrer Website auf. Oder erzählen die Geschichte ihrer Gründung in ihrer Image-Broschüre. Und bei Präsentationen zeigen sie gerne Fotos aus den Anfängen des Unternehmens. All diese Maßnahmen zusammen schaffen bei ihren Kunden nicht nur Vertrauen, weil sich das Unternehmen schon so lange am Markt behauptet. Wenn es diesen Unternehmen gelingt, ihre Geschichte besonders gut zu zeigen, dann entsteht Sympathie: Denn hinter den Meilensteinen, Gründungsgeschichten und Fotos stehen echte Menschen, die etwas erlebt und bewegt haben. Und bei Unternehmen, die sympathisch sind, kauft man eher – auch wenn sie vielleicht einmal teurer sind als die Konkurrenz.

Zum Abschauen: Die eigene Geschichte mit Stolz erzählen, auch wenn sie kurz ist und etwa „nur“ aus der Gründungsgeschichte besteht!

 

Sammellust

In meiner beruflichen Praxis zeigt sich, dass es immer mehr Unternehmen gibt, die sich für die eigene Geschichte interessierten – und zwar richtig! Und die diese Geschichten systematisch sammeln und aufbewahren: etwa indem sie Fotoarchive anlegen, Geschichten von ehemaligen Mitarbeitern aufschreiben bzw. filmen oder ein Buch über ihre Geschichte schreiben (lassen). Sie schaffen sich also gezielt einen guten Vorrat an Geschichten, den sie mehrfach verwenden können. Beispielsweise für die Rede des Chefs bei der nächsten Jubiläumsfeier, für das Onboarding neuer Mitarbeiter oder wenn sie wieder mal gute Ideen für authentische Posts auf Social Media brauchen.

Das gezielte Sammeln von Geschichte ist gerade für junge Unternehmen, die sich erst „beweisen“ müssen, eine echte Chance, um sich abzuheben – und etwa den Bankberater oder Investor beim nächsten Finanz-Gespräch zu überzeugen.

Zum Abschauen: Wichtige Ereignisse unbedingt festhalten (als Foto, Film und/oder aufschreiben) und systematisch einen guten Geschichtenvorrat aufbauen!

Auch junge Unternehmen haben spannende Geschichten zu erzählen. Legen Sie gleich los! (Quelle: shutterstock#325522070)

Auch junge Unternehmen haben spannende Geschichten zu erzählen. Legen Sie gleich los und sammeln Sie! (Quelle: shutterstock#325522070)

So finden auch Sie gute Geschichte(n)

Was sind also die guten Geschichten, die junge Unternehmen erzählen sollten? Denken Sie am besten an Folgendes:

Gründung

Die Gründung des eigenen Unternehmens ist immer eine ganz starke Geschichte – egal wie alt das Unternehmen dahinter ist. Weil es bei der Gründung immer eine interessante Vorgeschichte gibt: Und die erzählt meistens von einem Schlüsselmoment, den der/die Gründer/in erlebt oder eine Hürde, die er/sie erfolgreich gemeistert hat. Was können das für besondere Momente oder Hürden sein? Hier zwei Beispiele

  • Erlebnis in der Kindheit, etwa: „Seit ich meinen Vater das erste Mal zu einer Physiotherapie begleitete, wusste ich, dass ich selbst Physiotherapeutin werden wollte! Begeistert beobachtete ich damals, wie…“
  • Unzufriedenheit mit dem Job, etwa: „In allen Jobs, die ich machte, bevor ich Unternehmerin wurde, spürte ich: Das passt nicht für mich! Mich nervte, dass ich immer alles von drei Seiten absegnen lassen musste, meine Kollegen nur ‚Dienst nach Vorschrift‘ machten und ich zu wenig selbst entscheiden konnte. So blieb für mich nur ein Ausweg: beruflich selbständig zu werden.“

 

Erstes Mal

 „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ sagte Hermann Hesse. Und tatsächlich ist der Beginn von etwas Neuem, das erste Mal, immer etwas Besonderes. Unseren Freunden erzählen wir gerne: „Weißt du noch, als wir das erste Mal…“ und dann schwelgen wir gerne gemeinsam in Erinnerung. Dann gibt ein Wort das andere, eine Geschichte reiht an die andere. Was sind gute erste Mal in der Geschichte von jungen Unternehmen? Beispielsweise das erste Mal

  • jemanden angestellt
  • ein eigenes Büro gemietet
  • eine eigene Filiale eröffnet
  • eine große Maschine gekauft

 

Für so ziemlich alles gibt es ein erstes Mal. Aber ganz ehrlich: Dass etwas zum ersten Mal passiert ist, ist meistens gar nicht so interessant – außer es handelt sich um eine Weltneuheit. Aber bei wie vielen Ereignissen im Unternehmen lässt sich das tatsächlich schon behaupten?
Viel interessanter ist es zu erzählen, wie es überhaupt dazu kam, wer dagegen arbeitete und wer dafür,…also wieder der Konflikt, den es zu bewältigen gab bzw. die Herausforderung, die es zu meistern gab. Damit begeistern auch junge Unternehmen ihre Kunden!

Interessant ist nicht, dass Ihr Unternehmen etwas zum ersten Mal machte, sondern warum!
Friederike Hehle, historizing

Diese Geschichten sollten Sie sich unbedingt anschauen

Es gibt sie schon, die Beispiele von jungen Unternehmen, die spannende und sympathische Geschichten erzählen! Die – auch wenn sie nur wenige Jahre am Markt sind – davon überzeugt sind, dass ihre Geschichten die Zielgruppe interessieren und begeistern. Und die nicht daran zweifeln, dass sie zu jung sind für gute Geschichten aus ihrem Unternehmen! Wie genau sie das machen, das zeigen Ihnen folgende Beispiele:

 

1. Gründer erzählen – Mirco Wolf Wiegert, fritz-kola

Mirco Wiegert, Geschäftsführer der 2003 gegründeten Hamburger Getränkemarke erzählt, wie er und sein Partner auf die Geschäftsidee kamen und wie stolz ihn die erste produzierte Flasche fritz-kola machte.

2. Mitarbeiter erzählen – Mymuesli | 7 Jahre – was wir erlebt haben

Beim Rückblick auf die ersten sieben Jahre lässt der deutsche Müsli-Anbieter mymuesli seine Mitarbeiter zu Wort kommen: Schmunzelnd erzählen sie von ihren Erlebnissen im und mit dem Unternehmen. Etwa, dass es beim Vorstellungsgespräch vor allem um den gemeinsamen Musikgeschmack ging oder am ersten Arbeitstag noch überhaupt kein Arbeitsgerät da war.

3. Kunden erzählen – Celebrating Ten Years of Airbn

Zum zehnjährigen Jubiläum erzählt die US-amerikanische Buchungsplattform Airbnb von einzigartigen Unterkünften, den am meisten gebuchten Angeboten sowie besonderen Geschichten der Gastgeber und Gäste.

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Fazit

Sie sehen also: Auch junge Unternehmen haben durchaus gute Geschichten zu erzählen! Klar: Ihre Firmengeschichte ist nicht so umfangreich wie bei alteingesessenen Unternehmen. Aber trotzdem ist sie nicht weniger spannend und interessant für die Kunden. Die Beispiele von fritzkola, Mymuesli und Airbnb zeigen sympathisch, dass das tatsächliche Alter des Unternehmens egal ist. Vielmehr geht es darum, die eigene Geschichte und vor allem die Menschen dahinter sichtbar zu machen. Denn sie hilft, dass Kunden und Partner das Unternehmen und seine Mitarbeiter als besonders authentisch und sympathisch wahrnehmen. Und das ist vielleicht ein gutes Argument beim nächsten Kauf oder der Verhandlung mit der Bank! ?

Wollen Sie wissen, welche Geschichten Ihr junges Unternehmen erzählen kann?

Wir beraten Sie gerne!

Friederike Hehle

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