Sommer-Zeit ist Hymer-Zeit

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In den letzten Tagen begegnet mir immer wieder eines dieser Wohnmobile, die man scheinbar nur im Sommer sieht. Jedes Mal frage ich mich: Wohin es wohl unterwegs ist? Wie viele Länder es wohl durchfahren wird? Und natürlich denke ich an meinen letzten Besuch im Erwin-Hymer-Museum. Einem Museum, das als Firmenmuseum gilt, bei genauerer Betrachtung aber nicht nur das Unternehmen, sondern vor allem die Welt des mobilen Reisens in den Mittelpunkt stellt. Neugierig geworden?

Die Fassade des 19 Meter hohen Museums vor einer großen Wiese – ein rotes, abgerundetes Rechteck mit riesigen Glasscheiben – scheint inszeniert. Aber seine Wirkung auf mich verfehlt es bei der Anfahrt nicht, es beeindruckt mich wirklich. Wie ein Fenster ins Museum sieht es von außen aus. Und tatsächlich: Im Ausstellungskatalog lese ich später, dass ein Caravanfenster Pate für die Form stand. Auch der Eingang zum Museum ist in einem überdimensionierten Wohnwagenfenster, dieses Mal jedoch liegend, nachempfunden.


Wie die Ausstellung angelegt ist?

Großzügige 10.000 Quadratmeter umfasst das moderne, lichtdurchflutete Gebäude im baden-württembergischen Bad Waldsee, rund 50 Kilometer vom Bodensee entfernt. Hier ist auch der Firmensitz der Hymer AG, die Wohnwagen und Reisemobile herstellt. Seit fünf Jahren unterhält das Unternehmen gegenüber der Produktionshalle ein eigenes Museum – ein lang gehegter Wunsch des 2013 verstorbenen Erwin Hymer, der seiner Sammlung historischer Reisemobile eine entsprechende Plattform schaffen wollte.
Schon der Eingang verspricht internationales Flair: In fünf verschiedenen Sprachen ist „Willkommen“ auf die Scheiben der Drehtür geschrieben. International geht es auch in der Ausstellung weiter: Über die Alpen, nach Italien und Indien, an die Ostsee, nach Marokko, Nordamerika, Skandinavien und schließlich zum Atlantik führen die Routen quer durch die Ausstellung. Auf zwei Stockwerken verteilt, zeigen die rund 80 historischen Exponate die Entwicklung des Caravanings von den frühen 1930er-Jahren bis in die 1980er-Jahre. Und nicht nur Hymer-Modelle sind zu sehen, sondern auch solche anderer Marken. Eben die ganze Welt des mobilen Reisens wird mit dieser Ausstellung begreif- und erfahrbar. Und obwohl natürlich die Technik im Vordergrund steht, schafft es die multimedial angelegte Ausstellung, mich emotional anzusprechen.


Was bei mir den größten Eindruck hinterlassen hat?
Neugierig wie ich bin, habe ich jede Gelegenheit genützt, um die ausgestellten Reisemobile auch von innen in Augenschein zu nehmen und die Original-Ausstattung zu bestaunen. Das Ergebnis waren nostalgische Gefühle wegen der damals verwendeten Stoffe und Materialien, insbesondere aber wegen des Geruchs: Diese Kombination aus staubigen (Plüsch)Sofas und in die Jahre gekommenen Kunststoffes war es, die bei mir Erinnerungen aus der Kindheit wach gerufen haben.


Warum die Fa. Hymer ein solches Museum wohl einrichtet?

  • Dem Unternehmen gelingt es über die Auseinandersetzung mit der Geschichte, ein breites Publikum anzusprechen und dadurch neue Kontaktmöglichkeiten mit der Öffentlichkeit zu schaffen.
  • Dass der Fokus der Ausstellung nicht nur auf die Geschichte des eigenen Unternehmens gerichtet ist, sondern sich dem Kulturphänomen des mobilen Reisens widmet, schafft Sympathiepunkte für Hymer.
  • Das Museum macht die Marke Hymer, mit denen wohl nur echte Caravan-Fans etwas anfangen können, für mich mit allen Sinnen erfahrbar und dadurch greifbarer.
  • Das positive Erlebnis im Erwin-Hymer-Museum bleibt mir nachhaltig in Erinnerung und zahlt damit entsprechend auf den Wert der Marke “Hymer” ein.


Was ich für ein Fazit ziehe?
Auf keinen Fall ist das Erwin-Hymer-Museum nur ein Pilgerort für eingefleischte Caravan-Freaks oder Geschichts-Liebhaber. Nach meinem eigenen Besuch weiß ich, dass das Museum durchaus eine breite Öffentlichkeit zu begeistern vermag. Und welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

4 Kommentare
  • Friederike Hehle

    26.08.2016 um 08:09

    Schön, dass euch das Museum gefallen hat. Der Blog-Artikel war der Auftakt zu einer Serie, das heißt: Ich stelle in diesem Blog regelmäßig weitere, sehenswerte Firmenmuseen vor! Und welche Firmenmuseen habt ihr schon besucht, die ihr empfehlen könnt?

  • Mona Bereuter

    26.08.2016 um 07:18

    Super Ausflugstipp! Das Museum hält viele Wohnwagen-Unikate bereit. Besonders fasziniert hat mich die selbstentwickelte “Waschmaschine”. Ein kleiner Tipp: Im Museum gibt es auch ein Restaurant.

  • Maria Oberndorfer-Luger

    23.08.2016 um 16:03

    Vielen Dank für den super Tipp! Habe selten einen Museumsbesuch so genossen. Ich habe insgeheime (Reise-)Sehnsüchte bei mir entdeckt, und sogar Nicht-Camper finden da wohl den “Camper in sich”. Besonders gelungen fand ich auch die Begleittexte zu den Ausstellungsstücken – keine Beschreibungen sondern lauter kleine Geschichten für sich. Mein Tipp: Unbedingt die persönlichen Reisebilder machen – habe noch nie so viele lachende Menschen in einem Museum gesehen!

  • Elke Bereuter-Hehle

    23.08.2016 um 11:13

    War ein toller Tipp

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