Lebzeltarium

Das süße Ausflugsziel Lebzeltarium im Mühlviertel

Lebzeltarium

Weihnachten naht mit Riesenschritten – was scheint da passender als ein Ausflug in die Lebkuchen-Erlebniswelt Lebzeltarium im oberösterreichischen Mühlviertel? Nach einer kleinen Familienwanderung auf die nahe gelegene Sternstein-Aussichtswarte statten wir der 2013 eröffneten Erlebniswelt der Traditionsfirma Kastner einen spontanen Besuch ab. Es interessiert mich sehr, wie die älteste Lebzelterei Österreichs auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche die Geschichte des Lebkuchens sowie ihre eigene Firmengeschichte erlebbar macht.

Weihnachtsduft liegt in der Luft…

 

Schon beim Durchschreiten der Eingangstür strömt er mir entgegen – der Geruch aus meiner Kindheit, als ich meiner Mama beim Keksausstechen geholfen und Unmengen Lebkuchen vertilgt habe. Meine Buben entdecken natürlich sofort die allerorts in Schüsserln verteilten Kostproben der vielen Lebkuchenspezialitäten – und langen noch vor der Führung kräftig zu. Naschen ist hier aber auch ausdrücklich erlaubt – schließlich soll die Geschichte der Firma mit allen Sinnen erkundet werden.

Märchenhafte Entdeckungsreise in die Welt des Lebkuchens

 

Die Dame, die uns durch die Erlebnisräume führt, sprüht vor Begeisterung für die Produkte und das, was sie uns über die Lebzelter-Dynastie Kastner erzählt. Die Informationen sind kindgerecht aufbereitet, sodass auch meine Buben nicht das Interesse verlieren und gut zuhören, wenn sie uns die Geschichte des Lebkuchens näherbringt. So hören wir zum Beispiel, dass bereits die Ägypter honiggesüßte Kuchen als Grabbeigaben kannten. Und die Römer haben quasi den Ur-Lebkuchen erfunden, indem sie ihre Kekse vor dem Backen für eine längere Haltbarkeit mit Honig bestrichen. Honig war und ist überhaupt einer der wichtigsten Rohstoffe.

Lebzeltarium Stammtafel

Mein Blick bleibt bei der Stammtafel der Unternehmerfamilie hängen – originellerweise ist jeder Name als Lebkuchen dargestellt. (Foto: Valerie Mayr-Birklbauer)

Wie riechen Lebkuchen-Zutaten und wie fühlen sie sich an?

 

Wir bleiben bei den einzelnen Rohstoff-Kojen stehen. Diese Erlebnisstationen sind vor allem deswegen so anschaulich, weil einige Gefäße durchgereicht werden und wir hineinriechen und -greifen dürfen. Bei der Getreidekoje erfahren wir, dass für die Produktion jährlich sage und schreibe 1.000 Tonnen Mehl gebraucht werden. Die Gewürz-Erlebnisstation präsentiert uns vorwiegend orientalische Zutaten, wie z.B. Ingwer, Kardamom, Zimtstangen oder Urpfeffer (Piment). Vom Urpfeffer hat der Lebkuchen auch seinen mancherorts noch immer gebräuchlichen Namen „Pfefferkuchen“. Wir erhalten sogar Tipps für den perfekten Lebkuchenteig für zuhause, womit man sich ja irgendwie selbst Konkurrenz macht.

Lebzeltarium Gewürzkoje

In der Gewürzkoje beschnuppern wir vor allem Gewürze aus dem Orient. (Foto: Valerie Mayr-Birklbauer)

DAS Highlight im Lebzeltarium: Ein Herz aus Lebkuchen verzieren

 

Nicht nur die Kinderherzen schlagen höher, als wir schließlich unser eigenes Lebkuchenherz verzieren dürfen. Hier sind der Fantasie wirklich keine Grenzen gesetzt. Erstaunt und fast ein bisschen neidisch stelle ich fest, dass mein Mann zumindest beim Lebkuchen-Schmücken kreativer ist als ich. Auch die Buben sind stolz auf ihre Werke und wissen gleich, wem sie ihre Herzerln später schenken werden.

Lebzeltarium Lebkuchenherz

Das fertig verzierte Lebkuchenherz. Sogar eine eigene Geschenkverpackung gibt’s dazu. (Foto: Valerie Mayr-Birklbauer)

Großes Lebkuchen-Kino

 

Nach der Verzierungsaktion landen wir direkt im Kinosaal und sehen den Film „Dem Lebkuchen auf der Spur“. Er spannt den Bogen von den Anfängen des gewürzten Honigkuchens über seine Entwicklung und Bedeutung im Mittelalter. In unseren Breiten waren ja traditionellerweise die Klöster zuständig für die Erzeugung des süßen Dauergebäcks. Der Film erzählt aber nicht nur die Geschichte des Lebkuchens, sondern auch jene der Firma Kastner:

  • Bereits seit mehr als 450 Jahren gibt es die Lebzelterei Kastner – das ist schon beeindruckend! Da dürfen Gründungsjahr (1559) und Gründungsort im Firmenlogo natürlich nicht fehlen. Früher zählten die Hersteller von Lebkuchen nicht zum Handwerk der Bäcker, sondern gehörten der Zunft der Lebzelter, Metsieder und Wachszieher an – alles Berufe, in denen Honig der wichtigste Rohstoff ist.
  • Bad Leonfelden ist auch als Moor- und Kneippkurstadt bekannt. Es ist der damalige Bürgermeister Franz Kastner, ein Mitglied der Kastner-Dynastie, der die Heilkraft des Moorwassers entdeckt. Er entwickelt eine Moorschlammseife für Gichtleidende und lässt 1881 das Franzensbad errichten.
  • Insbesondere das 20. Jahrhundert ist für die Lebzelterei nicht immer leicht und mit Schwierigkeiten, wie zahlreichen Kriegen, der Niedergang der Zünfte oder der industriellen Erzeugung von Kerzen, verbunden.
  • Nach dem Abzug der Russen 1955 wagt das Traditionsunternehmen jedoch einen Neuanfang. In den 1970er Jahren wird die erste Lebkuchenmaschine in Betrieb genommen. 1976 erfolgt die Eröffnung der Lebkuchen-Fabrik.
  • 1996 kauft Kastner eine Molkerei und adaptiert sie als zweiten Standort.
  • Bis 2001 ist das Unternehmen in Familienbesitz, danach erfolgt ein Management Buyout.
  • 2013 wird schließlich die Erlebniswelt Lebzeltarium eröffnet.

Kaum zu glauben, dass die Lebzelterei Kastner heute mit rund 100 Mitarbeitern zwischen 70 und 100 verschiedene Produktvariationen herstellt. Ich finde, die Mischung aus traditionellen Artikeln und Produktinnovationen ist durchaus gelungen.

Auf zur Schnäppchenjagd

 

Den Zugang zum Fabrikverkauf kann man nicht verfehlen – und natürlich schlagen auch wir hier ordentlich zu. Wir kaufen lauter Sackerln (z.B. Lebkuchen-Bruch), die eigentlich eh niemand aufessen kann, weil’s einfach zu viel ist. Die angebotenen Schnäppchen sind aber dann doch zu verlockend. Schließlich müssen wir auch noch für die Cousine der Kinder Kastner’s Delikatstangerln mitnehmen – denn die schmecken angeblich besonders gut.

Lebzeltarium Urkunde

Eine nette Idee: Kinder bekommen am Ende der Führung eine Ehrenlebzelter-Urkunde. Dazu gibt’s was Süßes und ein Minibüchlein mit dem eigens geschriebenen Märchen vom Lebkuchen-Zwerg. (Foto: Valerie Mayr-Birklbauer)

Fazit: Das Lebzeltarium ist ein ErLEBnis für alle!

 

In der Lebkuchen Erlebniswelt findet sich im wahrsten Sinne für jeden Geschmack etwas. Die kurzweilige, rund einstündige Führung durch die Erlebnisräume bietet den richtigen Mix aus Informationen (über Firmengeschichte und den Rohstoff Lebkuchen), Unterhaltung (mittels Erlebnisstationen) und Produktverkostungen (nicht jeder Lebensmittelproduzent ist da so großzügig!). Vor allem Kinder kommen voll auf ihre Kosten – gerade, wenn sie so wie meine richtige Naschkatzen sind…

Lebzeltarium

Facts zum Museum

Lebzeltarium, Café & Fabrikverkauf
Lebzelterei Kastner
Lebzelterstraße 243
4190 Bad Leonfelden
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8.30 bis 18.00 Uhr, Samstag 9.00 bis 17.00 Uhr, Sonntag und Feiertage 13.00 bis 17.00 Uhr

Hier geht’s zum Lebzeltarium!

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