Verkehrsmuseum Remise

Verkehrsmuseum Remise Wien

Verkehrsmuseum Remise

Worauf ich in Wien abfahre? Auf die Remise! Bewege ich mich in Wien, der lebenswertesten Stadt der Welt, dann nütze ich am liebsten die “Öffis”. Denn das Wiener öffentliche Verkehrsnetz funktioniert bestens und Parkplätze sind sowieso Mangelware.  Nicht nur einmal habe ich mich schon gefragt: Was passiert eigentlich mit den alten Autobussen, außer Betrieb gestellten Straßenbahnen und ausrangierten U-Bahnen? Werden wirklich alle verschrottet? Oder gibt es nicht doch ein paar historische Exemplare, die es bis in die Gegenwart geschafft haben?

Verkehrsmuseum Remise

Los geht’s! In der denkmalgeschützten Backsteinhalle erwarten mich rund 50 historische Fahrzeuge der Wiener Verkehrsbetriebe. (Foto: privat)

Bus, Bim und Bahn in der Remise

 

Die Antwort ist JA, diesen Ort gibt es. Die “Remise“, wie das Wiener Verkehrsmuseum heißt, befindet sich in Erdberg im dritten Wiener Gemeindebezirk. Am Museumsareal ist Geschichte deutlich sicht- und spürbar: Der Weg zur Remise führt über Kopfsteinpflaster mit einem Netz an parallel und ineinander verlaufenden Schienensträngen. Das Herzstück des Museums ist die 1901 erbaute ehemalige Straßenbahn-Remise aus Backstein. Sie steht unter Denkmalschutz und beherbergt rund 50 historische Fahrzeuge: vor allem Straßenbahnen, aber auch Busse und sogar eine U-Bahn, den legendären Silberpfeil.

Verkehrsmuseum Remise

14 Themeninseln. Sie leiten Besucher durch die chronologisch geordnete Ausstellung in der Remise. (Foto: privat)

Die Ausstellung erzählt rund 150 Jahre Geschichte – von den Anfängen des öffentlichen Verkehrs mit einer Pferdetramway in den 1860er-Jahren bis zur ersten U-Bahn in den späten 1970er-Jahren. Dabei geht es nicht allein um die Unternehmensgeschichte der Wiener Linien, sondern auch um den Zusammenhang zur Verkehrs- und Stadtgeschichte von Wien. Drei kurze Geschichten, damit Sie wissen, was ich damit meine:

  • Schon 1873 hatten die Wiener Verkehrsbetriebe das erste Mega-Event zu bewältigen: Die Wiener Weltausstellung zog mehr als 10 Millionen zusätzliche Fahrgäste an. Und diese musste man mit Pferdetramways und –omnibussen befördern.
  • Während des Weltkriegs verkehrte in Wien nur noch die Straßenbahn. Pferde und Autobusse waren im Kriegseinsatz. So beförderte die Straßenbahn alles: Personen, Güter und ab 1918 sogar Leichen. Und um Strom zu sparen, mussten die Verkehrsbetriebe einzelne Haltestellen auflassen und Linien einstellen.
  • 1976 stürzte die Reichsbrücke in die Donau spektakulär ein – und mit ihr ein Gelenkbus der Wiener Linien. Er wurde wieder repariert und war bis 1989 in Betrieb, heute steht er in der Remise.

Spannend ist abschließend ein Blick ins Ausland in Halle 1. Dort gehen die Ausstellungsmacher der Frage nach: Wie funktionieren die Öffis in anderen Städten der Welt? Dort lese ich unter anderem, dass die Pariser U-Bahn nach “Madeleine” riecht. Mein Fazit nach der Geruchs-Probe in der Ausstellung: Gewöhnungsbedürftig.

Verkehrsmuseum Remise

Straßen- und U-Bahn zum Riechen. Der Geruch nach Buttersäure, Schmiermittel, Stauböl und Schweiß – ja leider immer wieder – ist mir bekannt. “Madeleine” – das eigens für die Pariser Verkehrsbetriebe entwickelte Parfum – ist mir neu. (Foto: privat)

Verkehrsgeschichte zum Angreifen

 

Die Ausstellung setzt stark auf Interaktivität: Gleich bei der ersten Station kann ich testen, wie viel Kraft früher ein Sesselträger brauchte. Das Stellen einer Weiche an einer anderen Station fällt mir erstaunlich leicht. Schon etwas mehr Geschick brauche ich, als ich aus verschiedenen Holzteilen eine Spielzeug-Straßenbahn bauen und über die kurvigen Gleise führen soll. Am meisten Spaß aber macht mir der U-Bahn-Simulator: So fühlt es sich also an, wenn ich eine U-Bahn durch Wien steuere!

Verkehrsmuseum Remise

U-Bahn Fahren im Simulator. Mit der U1 sause ich durch Wien Richtung Leopoldstadt. (Foto: privat)

Zu guter Letzt: Der Remise-Shop

 

Der Ausgang ist – wie könnte es anders sein – im Shop des Museums. Neben Büchern mit Wissenswertem zur Firmen- und Verkehrsgeschichte gibt es im Remise-Shop das “größte Produkt-Sortiment Wiens zum Thema ‘öffentlicher Verkehr'” – so verspricht es zumindest der Begleitprospekt zum Ausstellungsrundgang. Und tatsächlich: Die angebotenen Souvenirs und Geschenke nehmen Bezug zur Wiener Verkehrsgeschichte und die Wiener Linien – mitunter durchaus kreativ.

Verkehrsmuseum Remise

Coffee to Ride. Bei diesen Kaffeebechern stand wohl der Beatles-Hit “Ticket to Ride” Pate. (Foto: privat)

Fazit: Ein tolles Museum für Groß und Klein!

 

Ich bin ehrlich gesagt positiv überrascht. Vor dem Besuch habe ich mich auf eine Technik-lastige Ausstellung eingestellt! Aber die angebotenen Informationen sind umfassender: Nicht nur die Technik der ausgestellten Fahrzeuge spielt eine Rolle, sondern auch die Verkehrs- und Stadtgeschichte von Wien. Meiner Meinung nach ein kluger Ansatz! Und durch die vielen interaktiven Elemente der Ausstellung ist das Museum bestens für die gesamte Familie geeignet.

Verkehrsmuseum Remise

Bitte einmal zwicken! Beim Suchspiel und der Rätselrallye durch die Ausstellung kommen auch Kinder voll auf ihre Kosten. (Foto: privat)

Verkehrsmuseum Remise

Facts zum Museum

Remise, Verkehrsmuseum der Wiener Linien
Ludwig-Koeßler-Platz
1030 Wien, Österreich
Öffnungszeiten: Mittwoch 9-18 Uhr sowie Samstag und Sonntag 10-18 Uhr

Hier geht’s zur Remise!

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