Wells Fargo History Museum

Wells Fargo History Museum: Ein Stück amerikanische Geschichte

Wells Fargo History Museum

Wells Fargo zählt zu jenen Unternehmen, die die Wirkungskraft der eigenen Unternehmensgeschichte erkannt haben und gezielt für sich einsetzen. Sei es in ihrer Unternehmensphilosophie, in der Instandhaltung ihrer Archive oder auf Social Media: Die amerikanische Bank punktet in Sachen Content Marketing mit Unternehmensgeschichte. Aus dieser engen Verbundenheit mit der Vergangenheit ist das Wells Fargo History Museum in San Francisco entstanden. Und das hab ich mir mal näher angeschaut.

Gleich um die Ecke der Wells Fargo Bankzentrale im Herzen San Franciscos befindet sich der Eingang des Wells Fargo History Museum. Schon von außen erspähe ich durch die verglasten Wände zwei Postkutschen und eine Waagschale mit kleinen Goldnuggets. Ich bin gespannt, was sich hinter der über 160-jährigen Geschichte dieser amerikanischen Traditionsbank versteckt.

Well Fargo History Museum Eingang

Willkommen im Wells Fargo History Museum! (Foto: privat)

Wie Wells Fargo die USA vereinte

 

Ursprünglich wurde Wells Fargo 1852 als kleines Transportunternehmen in New York gegründet. Als dann aber die sensationellen Neuigkeiten von Goldfunden in Kalifornien an die amerikanische Ostküste vordrangen, entschlossen sich die beiden Gründer – Henry Wells und William Fargo – ihr Geschäft ein wenig auszuweiten. Deshalb ging der Blick in den Westen. Schnell waren zusätzliche Zweigstellen in San Francisco und Sacramento eröffnet. Und weil das Geschäft mit dem Gold so verlockend war, erweiterten Wells und Fargo ihr Angebot um finanzielle Dienstleistungen. Die Wells Fargo Bank war somit „in business“.

Wells Fargo History Museum: Postkutsche 1890

Eine Wells Fargo Filiale anno 1890. Eine Postkutsche steht zur Abreise bereit. Anfangs war das Bankgeschäft aber noch Nebensache. (Foto: privat)

Wells Fargo baute sich in wenigen Jahren einen ausgezeichneten Ruf auf. Landesweit schätzten Kunden den zuverlässigen Transportservice zwischen der West- und Ostküste Amerikas. Aber in den 1860ern reisten nicht nur Gold und Waren hin und her, sondern auch bei den Menschen wurde das Reisen immer populärer. Da es zu dieser Zeit noch an einem flächendeckenden Eisenbahnnetzwerk mangelte, war damals die Postkutsche das schnellste und beliebteste Transportmittel Amerikas.

Was das Wells Fargo History Museum seinen Besuchern bietet

Wells Fargo History Museum: Postkutschenfahrt

Eine Kutschenfahrt, die ist schön – wenn man sich das Abteil nicht mit 8 anderen Menschen teilen muss und fast ununterbrochen 21 Tage (und Nächte) über Stock und Stein unterwegs ist. (Foto: privat)

The Stagecoach – Die Postkutsche

 

In so einer Postkutsche nehme ich Platz. Schon schaukelt sie los und ich lausche gespannt den Erzählungen eines Fahrers und einer reisenden Dame. So erfahre ich, dass üblicherweise pro Postkutsche 18 Gäste auf einmal transportiert wurden: Neun saßen in der Kabine und die anderen neun saßen oben drauf. Die Dame seufzt, dass so dicht an dicht gedrängt eine Reise doch ganz schön anstrengend sein kann. Vor allem, wenn man noch fast ununterbrochen 21 Tage lang unterwegs ist. Und bei den Straßenverhältnissen von damals schaukelt die Kutsche natürlich ganz schön hin und her. Kein Wunder, dass manche Reisenden mit blauen Flecken und Kopfschmerzen ihr Reiseziel erreichen!

Ich schaue mich in der Postkutsche um: Mit noch acht anderen Menschen eine mehrwöchige Reise auf solch engem Raum zu verbringen, ist heute beinahe unvorstellbar. Da sind wir einen ganz anderen Reisekomfort gewohnt. Aber für damalige Verhältnisse war die Postkutsche das modernste und schnellste Mittel,um von einem Ort zum anderen zu kommen. Besonders wenn die Reise quer durch Amerika ging.

Wells Fargo History Museum: Fahrkarte Postkutsche

So sah eine Fahrkarte von damals aus. Mit diesem Ticket reiste Mary Sharp im Jahr 1868 in 20 Tagen von Sacramento, Kalifornien nach Helena, Montana. Heutzutage braucht man mit dem Auto für dieselbe Strecke 15 Stunden. (Foto: privat)

Morsen und Telefonieren wie anno dazumal

 

Für mich dauert die kleine Postkutschenfahrt in die Vergangenheit von Wells Fargo nicht ganz so lange wie für die damaligen Fahrgäste. Auf geht es in das zweite Geschoss, wo ich an einem Telegraphen das Morsen übe. Mithilfe eines kleinen Heftchens morse ich meiner Begleitung am anderen Ende des Raums ein einfaches „H-E-L-L-O“ zu und versuche – leider vergeblich – die Antwort darauf zu entziffern.

Da fällt das Telefonieren mit einem candlestick telephone schon leichter. Den Hörer ans Ohr, das Mundstück in die Hand, ein paar Mal kurbeln und schon läutet es ein paar Meter weiter. Sowas macht natürlich nicht nur Erwachsenen Spaß. Speziell für Kinder bietet das Wells Fargo History Museum zahlreiche Möglichkeiten, sich spielerisch und interaktiv mit diesem Stück amerikanischer Geschichte auseinanderzusetzen.

Wells Fargo History Museum: altes Buch

Ein altes Rechnungsbuch, in dem das alltägliche Bankgeschäft erfasst und dokumentiert wurde. Das Knistern der Seiten und der „alte“ Geruch versetzen mich beim Durchblättern zurück in eine andere Zeit. (Foto: privat)

Von der Postkutsche zum Bankenwesen

 

Wells Fargo war maßgeblich am Ausbau des nordamerikanischen Eisenbahnnetzes beteiligt. So versorgte das Unternehmen zuverlässig das ganze Land mit Post und Waren. Als aber 1918 die Regierung aufgrund des Ersten Weltkrieges das Eisenbahnnetz verstaatlichte, blieb Wells Fargo von heute auf morgen nur noch ein einziger Betrieb übrig: Eine Bankfiliale in San Francisco. Dadurch änderte sich das Geschäftsbild enorm. Was vorher eher ein Nebenverdienst zum Transportservice war, sollte von nun an – und bis heute – die Kernaufgabe des Unternehmens sein.

Wells Fargo History Museum: Express-Paket fuer historizing

Eines der vielen interaktiven Elemente im Wells Fargo History Museum: mit Wells Fargo & Co. Express verschicke ich ein Eil-Paket nach Übersee. Auf das Gold und das Geld warten wir bei historizing aber bis heute… (Foto: privat)

Was ich aus dem Wells Fargo History Museum mitnehme

 

Das Wells Fargo History Museum ist zwar nicht sehr groß, aber es stecken unheimlich viele Informationen und Geschichten und viel Liebe zum Detail in den Ausstellungsstücken. Sei es die filmisch untermalte Postkutschenfahrt, ein Telefongespräch wie aus dem Jahre 1900 oder ein personalisierter Geldschein mit meinem Porträt. Eines ist klar: Der Besuch des Museums hat mir wieder einmal gezeigt, wie spannend und unterhaltsam Unternehmensgeschichte sein kann!

Wells Fargo History Museum

Facts zum Museum

Wells Fargo History Museum
420 Montgomery Street, San Francisco, USA
Weitere Standorte in Sacramento, Los Angeles, San Diego, Minneapolis, Portland, Phoenix, Anchorage, Philadelphia und Charlotte
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet
(an Feiertagen geschlossen)

Hier geht’s zum Wells Fargo History Museum!

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Joelle Güfel

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